Krapfen

Von der fünften Jahreszeit kann man ja halten was man will – ich halte nix davon –, aber sie bringt auch etwas Gutes mit sich: Berliner.  Also die mit Marmelade gefüllten Krapfen, für Nicht-Schwaben.

Da hatte ich kürzlich die Idee – ja sogar Vision, ich konnte die fertigen Teile schon vor mir sehen – die Krapfen meiner Oma nachzubacken.  Ein Tag, an dem meine Oma Krapfen machte, war ein toller Tag, für uns Kinder und für die Erwachsenen.  Die letzteren hatten allerdings nie nach dem Rezept gefragt, wozu auch?  Die macht ja immer Oma.  Wie es so oft der Fall ist, nimmt man so Sachen als selbstverständlich, und wenn der Bäcker oder Koch dann mal nicht mehr ist, wundert man sich, dass keiner je nach dem Rezept gefragt hat.  Das ein oder andere Rezept haben meine Mutter und meine Patentante noch im Kopf, aber das Krapfenrezept kennt keiner.  Doch dann kam meine Mutter mit einem ungarischen Kochbuch an (das sie sich von mir vor Jahren ausgeliehen hatte…), das ein Krapfenrezept enthielt, und da packte mich die Ambition, mich als Krapfenbäckerin in unserer Familie zu profilieren.

Was sie noch mitbrachte, war ein Donauschwaben Kochbuch, das meiner Oma gehörte.  Und obwohl ich mich bereits auf das andere Rezept festgelegt hatte, verfiel ich dann doch einer meiner bereits erwähnten schlechten Gewohnheiten:  ich ging den einfacheren Weg.  Dachte ich…

Das Donauschwaben Rezept war wesentlich einfacher, also schnell umdisponiert, Hefeteig angerührt, ans sonnige Fenster neben die Heizung gestellt, und dann gemütlich mit Kaffee und Buch auf die Couch, während der Teig geht.  1½ Stunden später war der Teig allerdings noch genauso ein mickriger Haufen wie am Anfang.  Panik.  Anruf bei den Verwandten, dass die Krapfenlieferung sich doch eher auf den Spätnachmittag verzögern wird.  Weil ich dann doch noch schnell das kompliziertere Rezept gemacht hab.  Und ich sag’s gleich vorab – mit Heldentum war nix.  Zumindest nicht für meine Ansprüche.  Dieser Teig sah besser aus, ging aber extrem langsam auf.  Dann schnell die Krapfen ausgestochen, die dann eigentlich nochmal 30 Minuten hätten gehen müssen.  Aber dafür war keine Zeit, 10 Minuten mussten reichen.  Man wollte die Dinger ja schliesslich zum Kaffee haben, nicht zum Abendessen.

Die Krapfen meiner Oma hatten übrigens die Marmelade nicht innen, sondern hatten oben eine Mulde, in die die Marmelade reinkam.  Ich frage mich, wie sie das gemacht hat.  Ich hatte versucht, vor dem Ausbacken mit dem Finger eine Mulde in den Teig zu machen, hat aber nicht funktioniert.  Aber ich bin ja recht kreativ, habe meinen Melonen-Kugelausstecher genommen und nach dem Ausbacken mit der gerundeten Seite eine Delle in jeden Krapfen gedrückt.

Ergebnis:  geschmacklich gut, optisch naja, und eben nicht meinen Erwartungen entsprechend.  Ich hatte die Krapfen bewusst mit einem etwas kleineren Glas ausgestochen, weil ich auf so Mini-Sachen stehe.  War in diesem Fall vielleicht auch besser, sonst wären die Krapfen, die nicht so toll aufgegangen sind, eher Fladen gewesen.  Ich hatte mich auf das Innere der Krapfen gefreut, so ein fetter (ich meine fetter wie dicker, nicht fettiger!) Teig wie ein Doughnut.  Dadurch, dass die Krapfen dann nicht so voluminös waren, war nix mit fett.  Der Verwandtschaft hat’s geschmeckt, meine Tante mochte diese Version angeblich sogar lieber, weil sie knuspriger war und nicht gleich so satt macht.  Zu meiner Verkündung, dass ich die Teile ganz sicher nie wieder machen werde, meinte sie nur: „Das glaub ich nicht, so schnell gibst du doch nicht auf.“  Ehrlichgesagt – ich glaub schon…  zumindest was Krapfen angeht.

Falls sich trotzdem jemand ranwagen will, hier das Rezept.

Krapfen

ca. 500 ml Milch
1 EL Zucker
20 g Hefe
500 g Mehl
2 Eigelb
50 g Puderzucker
50 g Butter
1 Gläschen Rum
1 Messerspitze Salz
1 l Öl zum Ausbacken
Puderzucker
Aprikosenmarmelade
Alle Zutaten sollten Raumtemperatur haben!

Zucker in 300 ml lauwarmer Milch auflösen, Hefe hineinbröckeln mit 3 EL Mehl verquirlen.  Mit einem Tuch bedeckt an einem warmen Ort etwa auf das Doppelte gehen lassen.  [Im Rezept steht maximal 35ºC – vielleicht war’s bei mir also nur nicht warm genug, damit der Teig besser gehen konnte…]

Eigelbe mit Puderzucker schaumigrühren und dem aufgegangenen Hefestück zuführen.  [Das war dann das zweite Problem – diese flüssige Mischung ging eigentlich gar nicht auf. ]  Rum, handwarme Butter und restliches Mehl zugeben und mit so viel leicht gesalzener lauwarmer Milch verarbeiten, dass ein geschmeidiger Teig entsteht.  Mit einem Holzlöffel 20 Minuten kräftig schlagen, oder mit dem Küchengerät kneten [brauch ich ja wohl nicht extra erwähnen, welche Variante ich gewählt habe…], bis der Teig Blasen schlägt.  Mit Mehl bestreuen, mit Geschirrtuch zudecken und an einem mässig warmen Ort gehen lassen.

Den aufgegangenen Teig auf einem bemehlten Brett mit den Händen knapp 1 cm dick ausziehen, und mit einer Form oder einem Wasserglas Krapfen ausstechen.  Nochmals 30 Minuten (aber nicht länger!) gehen lassen.

Krapfen im heissen Öl bei gleichmässiger Hitze ausbacken.  Das Öl darf nicht zu heiss werden.  [Im Rezept steht allerdings nicht, wie heiss es genau sein soll.]  Die eine Seite der Krapfen zugedeckt, die andere in der offenen Pfanne backen.  [Hab ich natürlich auch nicht gemacht.  Ich habe alles offen gebacken, um die Krapfen besser im Auge zu haben.]  Mit dem Schaumlöffel herausnehmen und auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

Bei meiner eigenen Variante:  Mulde in jeden Krapfen drücken, Krapfen mit Puderzucker bestreuen, und Mulde mit Aprikosenmarmelade füllen.

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2 thoughts on “Krapfen

  1. stumbled upon Dinner for.. oops, hier wird Deutsch gesprochen 😉
    anyroad, hab Dinner for (N)one durch Zufall entdeckt und das was gut so 😉
    bin Food Blogs verfallen und kann gar nich tso viel kochen/essen wie ich lese aber ich ‘sammle’ neue blogs no matter what.
    Kein fan von Fasching, oer Krapfen (nicht mal ‘Berliner’ mit Pflaumenmus) aber bin gespannt auf die nächsten Rezepte. Hier, und in the other place 🙂
    BTW – love the design 🙂

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